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Archive Bieler Tagblatt / Journal du Jura

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Georg Friedrich Heilmann (1785-1862)

 

Herkunft und Ausbildung
Georg Friedrich Heilmann war der einzige Sohn des reichen Buchdruckers und ehemaligen Fürstenschaffners Niklaus Heilmann, Baron de Rondchâtel, und der Elise Bourquin von Sonceboz. Er war geboren am 5. Januar 1785.
Sein Vater liess dem Sohn, der seine Mutter bereits 1789 verlor, eine vorzügliche Erziehung zuteil werden. Nachdem Georg Friedrich zunächst in seinem Vaterhaus den ersten grundlegenden Unterricht genossen hatte, unternahm er in der höchst anregenden Begleitung seines Präceptors Johann Rudolf Wyss mehrere grössere Reisen zu seiner Ausbildung nach Deutschland und studierte von 1804 bis 1807 auf den Universitäten in Halle und Heidelberg das Recht und Cameralien, nebenbei ausserdem naturwissenschaftliche und literarische Disziplinen. Nach Biel zurückgekehrt, besuchte er das Fellenberg’sche Institut in Hofwil und vernachlässigte auch die Landwirtschaft nicht, was in Hinsicht auf den ausgedehnten väterlichen Landbesitz in Rondchâtel und Port begreiflich ist.

Heilmanns Verhältnis zu Frankreich
Am 31. August 1813 verheiratete er sich mit Anna Elisabeth Haas, der Tochter des Grossweibels Friedrich Haas von Biel, dessen Bruder Johann Jakob das Amt eines Venners und zugleich Stadtchirurgen bekleidete. Durch seine Verheiratung entging er dem Schicksal der ihm drohenden Konskription, nach welcher die gesamte waffenfähige ledige Jungmannschaft Biels den Fahnen Napoleons zu folgen gezwungen war. Obwohl der französische Meyer Sigmund Wildermeth zu seinen persönlichen Gegnern zählte, war Georg Friedrich Heilmann berufen, im öffentlichen Leben in hervorragender Weise hervorzutreten. Dazu befähigte ihn seine unabhängige Stellung, Talent und Bildung wie keinen andern, seine Vaterstadt in den damaligen unruhigen und kritischen Zeiten nach aussen würdig zu vertreten.

Heilmanns Engagement in schwierigster Zeit
Gegen Ende der französischen Herrschaft war die Stadt Biel nämlich in mancher Hinsicht ruiniert. Doch der Einzug der Alliierten machte das Mass des Unglücks der armen Stadt nur grösser. Die durchmarschierenden Heere der Alliierten, der sogenannten Kaiserlichen, brachten eine Seuche nach Biel, die zahlreiche Opfer forderte. Zudem behandelten sie die Stadt als Feindesland. Sie verhängten Requisitionen, welche die verarmte Stadt nicht zu tragen vermochte.

In dieser Not wurde eine Deputation, der auch Georg Friedrich Heilmann angehörte, nach Vesoul ins Hauptquartier der Alliierten zum Fürsten Karl Philipp von Schwarzenberg geschickt, um den Oberbefehlshaber über die frühere Stellung Biels als zugewandter Ort der Eidgenossenschaft in Kenntnis zu setzen. Diese Mission war erfolgreich: Die Gesandten kehrten mit der Proklamation des Fürsten von Schwarzenberg vom 12. Januar 1814  zurück, nach der Biel nicht als Teil Frankreichs, sondern als zu der neutralen Schweiz gehörend zu behandeln sei. Dieses Dokument ersparte der Stadt Biel mindestens eine halbe Million Franken Kriegssteuer.

Wenige Tage später reiste Heilmann mit dem Ratsherrn Daxelhofer nach Basel, um von den alliierten Monarchen die Bestätigung der Schwarzenberg’schen  Proklamation zu erwirken. Auch diese Deputation verhandelte erfolgreich. Bei dieser Gelegenheit wurden die Bieler von Kaiser Franz von Oesterreich empfangen, der ihnen echt wienerisch gesagt haben soll: “Ihr Bieler seid’s halt Schweizer und Schweizer sollt ihr bleiben.”

Biels Zukunft – ein eigener Kanton?
Anfang April 1814 nahm Heilmann an der Tagsatzung in Zürich teil, um zu bewirken, dass Biel wieder in die Eidgenossenschaft aufgenommen werde. Allerdings herrschte in dieser Frage sogar in Biel grosse Uneinigkeit. Eine Partei unter dem verdienten Ratsherrn Daxelhofer, unterstützt von Meyer Sigmund Wildermeth, erstrebte die Vereinigung mit Bern, während die andere unter Heilmann auf die Bildung eines eigenen Kantons mit Biel als Hauptstadt hinarbeitete. Der neue Kanton sollte die protestantischen Gebiete des früheren Bistums umfassen.  Schliesslich versuchte der neue Generalgouverneur im Jura, Freiherr von Andlau, grosse Teile des ehemaligen Bistums zu einem katholisch geprägten Kanton zu machen.
In dieser Situation beschlossen Rat und Burgerschaft von Biel, einen besondern Gesandten an den in Wien zusammentretenden europäischen Kongress zu ernennen. Zwar war bekannt, dass die eidgenössischen Gesandten angewiesen waren, für die Unabhängigkeit Biels als ehemaliges freies und mitverbündetes Mitglied der Alten Eidgenossenschaft Stellung zu nehmen. Trotzdem glaubten die Bieler, ihre Interessen seien nur mit einem eigenen Gesandten genügend vertreten.

 

Heilmann als Gesandter am Wiener Kongress…
Am 4. Oktober 1814 wurde auf dem Rathaus vor der versammelten Burgerschaft die Instruktion für den nach Wien zu sendenden Vertreter der Stadt verlesen. Der als Gesandter bestimmte Georg Friedrich Heilmann erhielt den Auftrag, zu verhindern, dass Biel dem von Gouverneur von Andlau geplanten Kanton Pruntrut einverleibt werde. Stattdessen sollte die Stadt als freies, selbständiges Glied mit der Schweiz vereinigt werden.

Am 6. Oktober 1814 reiste Heilmann von Biel ab und langte nach zehntägiger Reise in Wien an. Nur zu bald wurde ihm klar, dass sein Ziel, für Biel die Stellung einer Hauptstadt eines eigenen, wenn auch nur kleinen Kantons zu erhalten, nicht Aussicht auf Verwirklichung haben sollte. Die Vereinigung mit Bern war bei den massgeblichen Interessenvertretern beschlossene Sache. Trotz der  schlechten Aussichten für die Souveränität Biels scheute Georg Friedrich Heilmann keine Mühe und liess kein Mittel unversucht. Als ein Gesandter Berns ihn mit persönlichen Vorteilen für die Vereinigung mit der Aarestadt zu gewinnen suchte, lehnte er mit den folgenden Worten ab: “Wenn es um das Wohl meiner Heimat geht, kommt bei mir kein Eigeninteresse in Frage. Die Heimat verlangt, dass ich ihre Rechte so lange wie möglich verteidige, zudem befehlen mir meine Ehre und meine Gefühle, mich an meine Instruktionen zu halten.”
Nachdem die Einverleibung Biels mit dem Kanton Bern vom Kongress entschieden war, setzte sich Heilmann für möglichst günstige Bedingungen für die Vereinigung ein. Bei seiner Rückkehr wurde er von seinen Mitbürgern im Triumph empfangen – immerhin hatte er verhindern können, dass Biel einem katholischen Kanton Jura oder dem Kanton Neuenburg zugeschlagen werde.

…und als Schlüsselfigur des Vereinigungsprozesses

Von Zürich als Vorort der Tagsatzung wurde Heilmann zum Kommissär ernannt, der die den Anschluss an Bern begleitenden Verhandlungen führen sollte. In dieser Funktion gelang es ihm, für Biel im Vereinigungsvertrag wichtige Vorrechte und finanzielle Vorteile zu sichern, die Bern später für teures Geld loskaufen musste, zum Beispiel das Ohmgeld und den Zoll. Allerdings gelang es Heilmann nicht, Biel zum Hauptort eines eigenen Amtsbezirks zu machen. Die Stadt wurde dem Oberamt Nidau zugeteilt, bei welchem es bis 1832 verblieb.

Heilmanns weiteres Engagement für Biel

Auch nach der Vereinigung mit dem Kanton Bern stellte Heilmann  seine Fähigkeiten und seine Kräfte für seine Heimatstadt ein. Zum Beispiel übernahm er mehrere Ämter – 1816 wurde er Amtstatthalter und Richter sowie (bis 1829) Mitglied des bernischen Grossen Rates.

Ein wichtiges Anliegen Heilmanns war der Schutz der Stadt vor Überschwemmungen.  1820 entwickelte er den Plan, die Schüss nicht mehr in den See, sondern bei Staad in die Aare zu leiten. Dazu sollte das Bett der Leuggenen im Pieterlenmoos verbreitert werden. Bald darauf wurde mit dem Bau des Schüsskanals eine andere Lösung verwirklicht. Mit dem Ziel, die Bieler Wirtschaft zu fördern, wurde Heilmann 1820 Mitbegründer der Ersparniskasse Biel. In den folgenden Jahren setzte er sich auch für die Verschönerung der Stadt ein. Zum Beispiel wirkte er bei der Schaffung einer Allee mit, die dem ehemaligen Seeufer entlang vom Pasquart zur Ländte führte. Im Jahr 1828 initiierte er den tempelartigen Pavillon “Felseck” am Jurahang über dem See, der bald zu einem Treffpunkt der Jugend wurde.
Heilmann unterstützte auch verschiedene patriotische Anliegen. 1826 leitete er eine Kollekte zugunsten des griechischen Freiheitskampfes, 1827 stand er an der Spitze der wehrkräftigen Bieler Jugend am Freischiessen in Basel.
Am 10. Juni 1828 ehrte ihn der Rat von Biel durch die Überreichung einer silbernen, im Empirestil ausgeführten Schüssel mit folgender Widmung: “Die Stadt Biel ihrem Mitburger Georg Friedrich Heilmann als Zeichen ihrer Erkenntlichkeit für die besonders 1814 und 1815 geleisteten Dienste.”

Heilmann im Dienst des Königreichs beider Sizilien
Heilmanns militärische Karriere begann bereits unter dem Empire. Zwischen  dem 10. September 1806 und dem 1. Mai 1816 diente er in der kaiserlichen Ehrengarde der Stadt Biel, zunächst als Oberleutnant, ab 1813 als Hauptmann. Im eidgenössischen Waffendienst wurde er 1824 zum Major, bald darauf zum Oberst befördert. Als das bernische Regiment Wyttenbach in Neapel neu verpflichtet wurde, entschloss sich Heilmann 1829, als Hauptmann in den Dienst des Königreichs beider Sizilien zu treten und seine ganze Familie in Biel zurückzulassen. Dieser Entscheid fiel wohl im Zusammenhang mit der Tatsache, dass der Kronprinz Ferdinand von Neapel wie Heilmann am Fellenberg’schen Institut in Hofwil studiert hatte. Begleitet wurde Heilmann von seinem Jugendfreund G. Scholl. Da die 15-jährige Dienstzeit des Hauptmanns in eine Periode des Friedens fiel, hatte er die Musse, sich neben dem Dienstbetrieb der Kunst und Wissenschaft zu widmen. Er schrieb Novellen, verfasste Reiseberichte und wurde von den Berner Offizieren zum Direktor einer Sammlung römischer und etruskischer Altertümer gewählt. Der grösste Teil dieser kostbaren Vasen ergänzte später unter dem Namen “Sammlung Nola” die Sammlungen des Historischen Museums Bern, einige gelangten ins Museum Schwab.  Viele Stunden widmete er auch dem Zeichnen und Malen, also Künsten, die er sich vorwiegend selbst beigebracht hatte. Ein wahres Meisterwerk vollbrachte er mit der Schaffung eines grossen Landschaftsbilds der Region Neapel. Das “Panorama di Napoli e suoi dintorni, desegnato del Castel St. Elmo da G. F. Heilmann de Rondchâtel” erhielt Auszeichnungen von Seite des Königs Ferdinand II und der Königin-Mutter.

Heilmanns Rückkehr in die Politik
Nach der Rückkehr in seine Heimatstadt fand Heilmann veränderte politische Verhältnisse vor. Eine neue Generation von vorwiegend radikal denkenden Politikern erstrebte eine baldige und grundlegende Erneuerung der Eidgenossenschaft. In dieser Atmosphäre näherte er sich den Konservativen um Landammann Eduard Blösch an. 1846 bis 1850 wurde er erneut Mitglied des Grossen Rates.
Heilmann setzte sich erneut in mancher Hinsicht für die Stadt Biel ein. 1846 arbeitete er an Strassenbauprojekten mit, die zum Beispiel zwischen Biel und Solothurn bessere Verkehrsverhältnisse schaffen sollten. Zwei Beispiele zeigten seinen  unermüdlichen Patriotismus: 1852 leitete er in Biel die Kollekte zur Tilgung der Schulden aus dem Sonderbundskrieg, 1857 beteiligte er sich am Komitee, das in Biel anlässlich des Neuenburger-Handels zur Bildung eines Freikorps aufrief.

Heilmanns Lebensabend
Ende der 1850er-Jahre zog sich Heilmann aus gesundheitlichen Gründen immer mehr ins Privatleben zurück.  Leider wurde sein Lebensabend durch den Tod seines Sohnes und seiner drei Töchter verdüstert. Heilmann starb am 24. Juli 1862 als letzter der schweizerischen Linie seines Geschlechts. Seine Gattin, Frau Heilmann-Haas, starb hochbetagt im Jahr 1875.

Text nach E. Bähler, Biel vor 100 JahrenErgänzt mit den folgenden Quellen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Georg_Friedrich_Heilmann
Zeugin E. Wie die Nola-Sammlung nach Bern kam
Zürcher C. (2011). Heilmann, Georg Friedrich, in: www.hls-dhs-dss.ch, abgerufen am 13. 7. 2015


AutorIn: Diverse
 
 
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